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Historie

In dem Vorbericht der Urkunde des Jäger-Corps zu Neuenkirchen, Amts Rotenburg ist verzeichnet:

Im Jahre 1844 wurde in mehreren Einwohnern der hiesigen Dorfschaft der Wunsch rege, auch, so wie in den benachbarten Dorfschaften, ein Schützenfest zu halten.

Hauptsächlich ging dieser Wunsch wohl von den Wirtsleuten und den jungen Leuten aus. Bei den Wirtsleuten aus eigenem Interesse, bei den jüngeren Leuten, um auch ein allgemeines Volksfest mit Umzug und Tanz zu halten.

Amtsvoigt Brückmann sucht am 3. Juni 1844 beim königlichem Amte Rotenburg darum nach, daß in polizeilicher Hinsicht die Erlaubnis zum Abhalten eines Schützenfestes erteilt werden möge. Diese wurde dann unterm 7. Juni 1844 vom Königl. Amte mit folgenden Bedingungen erteilt:

-dass das Scheibenschießen nicht einem Wirt zuzuwenden ist

-die polizeiliche Erlaubnis zum Königsschießen alljährlich eingeholt werden muss

-dass das Tanzen höchstens bis 12 Uhr abends zu gestatten sei.

Das erste Schützenfest wurde am 23. und 24. Juni 1844 gefeiert.

 

Am Morgen des 23. Juni holte man in aller Eile einen Tanzsaal aus Behningen. Dieser wurde unter den Eichheistern bei Hessen - Haus (jetzt Indorf/Wiechers, Frielinger Strasse) unter freiem Himmel gelegt. Gastwirt Witte baute ein Zelt.

Zitat aus der Urkunde:

Einige junge Leute versahen sich mit Flinten und stellten, obwohl in Zivil, ein Jäger-Corps vor. Sie wurden von Christ. Meyer und Hinrich Hesse kommandiert.

 

Hier finden wir den Ursprung und Anfang unseres Schützen-Corps.

Der erste Schützenkönig hieß: Christ. Böhling, Knecht. Daraus ist ersichtlich, dass ein jeder, gleich welchen Standes, König werden konnte. Dieser erhielt später einen Orden von seinem Schwager Joh. Dietr. Meyer.

Zur förmlichen Gründung eines Jäger-Corps wurde dann vom Amtsvoigt Brückmann ein Laufzettel erlassen. Dieser Aufforderung zufolge meldeten sich die nachstehenden Personen zum Eintritt in das Jäger-Corps

Christ. Meyer, Hinr.Böhling, Wilh.Meyer, Peter Christ.Witte, Dietr. Buchhop, Wilh.Schröder, Isaac Moses Aron, Joh.Dietr.Drewes, Christ. Cort Aub, Friedr.Baden, Joh. Th. Witte, Peter Stöckmann, Hinr. Chr. Witte, Christ.Böhling, Joh.Chr.Meyer, Peter Stolze, Wilh Röhrs, Christ Müller, Hinr. Schlumbohm, Georg Wohlberg, Christ. Bergstedt, Hinr. Bergstedt, Wilh. Schröder

Die Direktion wurde dem Amtsvoigt Brückmann übertragen.

Hauptmann: Chr. Meyer

Leutnant: Wilh. Schröder

Fähnrich: Gastwirt Steffens

In der Versammlung vom 20.4.1845 wurde Amtsvoigt Brückmann beauftragt, zuförderst für die Uniformierung des Jäger-Corps zu sorgen. Es wurde bestimnmt, dass jeder Jäger:

-mit einem grünen baumwollenen Rock,

-mit einer weißen Hose,

-mit einer Wachstuchkappe mit kleinem Jägerhorn

bekleidet sein soll.

 

Wer auf die Scheibe (vermutlich Königsscheibe) schießt, zahlt 4 Groschen. Davon erhalten die Scheibengucker 2 Groschen. Von dem verbleibenden Rest sollen die verbrauchten Scheiben bezahlt werden. Was dann noch übrig bleibt, fällt an den neuen König.

Der Scheibenstand war auf dem Horn, wo sich jetzt der Friedhof befindet. Geschossen wurde auf 2 Scheiben, von da, wo jetzt das Haus Borstelmann steht.

Am 15.Juni 1845 (Schützenfest) wurde dem versammelten Jäger-Corps deutlich das Reglement vorgelesen und demselben aufgegeben, sich danach genau zu richten und zu befolgen.

Von der Amtsvogtin Brückmann wurde dem Jäger-Corps eine Fahne und den Offizieren Schärpen überreicht.

Da es nunmehr auch für notwendig gehalten wird, die Einnahmen und Ausgaben aufzuzeichnen, soll eine "Rechnung" angelegt werden.

Am 18.Januar 1846 wurde beschlossen, dass aus dem Fundus des Jäger-Corps ein Saal von 45 Fuß lang und 30 Fuß breit angeschafft werden soll. Dieser Saal war mit Latten umgeben und mit Busch durchzäunt. Getanzt wurde unter freiem Himmel. Zur Erleuchtung waren direktionsseitig zwei große Glasleuchten angeschafft und von Soltau Qualitäts-Gläser zum Illuminieren geliehen. Die Musik war aus Fallingbostel und Dorfmark.

Am 19.April 1846 meldeten sich 14 weitere Einwohner zum Eintritt in das Jäger-Corps.

Wegen der Uniformierung fasste man am 17.Februar 1850 folgenden Beschluss:

Die Jäger sollen eine neue Uniform bekommen und zwar einen Waffenrock von grünem Camlot mit gelben Knöpfen, wie sie von der Artillerie getragen wird. Der Kragen soll mit schmalem, schwarzem Wollband besetzt sein. Die Offiziere sollen ihre Garnitur statt schwarzer Wolle von Gold haben.

Nach dieser Versammlung vom 17.Februar 1850 bis 1865 liegen uns leider keine Aufzeichnungen vor.

Im Nachsatz zu der Urkunde von 1844 wird vermerkt, dass Amtsvoigt Brückmann bis zu seinem Tode (5.November 1860) das Jäger-Corps und das Rechnungswesen geführt hat. Aufgrund entstandener Unordnung wurde auch keine Rechnung mehr abgelegt. Es stellten sich Vermögensunzulänglichkeiten heraus und dem Corps wurden Schulden hinterlassen. Das Rechnungswesen übernahm dann der Kommandeur Christ. Meyer, die später mit dem Präsidenten Gastwirt H.F.Witte von beiden gemeinschaftlich geführt wurde. Somit kam wieder Ordnung in das Rechnungswesen und es konnte auch wieder ein kleines Kapital gebildet werden.

1865 wurde der alte Schützenplatz unter den Eichen bei Hessen-Haus durch die neu zu bauende Landstraße verkleinert. Eine Verlegung wurde erforderlich. Unter allgemeiner Zustimmung wurde beschlossen, denselben in die Gemeindeforst zu verlegen und dort in anderer Form wieder zu etablieren. Die Interessenten stimmten dieser Regelung in einer Gemeindeversammlung unter der Bedingung zu, dass bei den Festen auf diesem Platz die Frauen der Forstinteressenten von jeglichem Entree befreit sein sollen.

Es musste nun der Umzug erfolgen. Da es sich herausstellte, das Saal und Zelt dem Verderben ausgesetzt und ziemlich morsch waren, wurde in einer Versammlung im Mai 1865 beschlossen, auf dem neuen Schützenplatz, welcher nun Schützenholz genannt werden sollte, für die fernere Zeit ein Haus zu bauen. Dieses wurde im Sommer 1865 durchgeführt.